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<title>Stegreif</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Stegreif</span></h1>
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<p><b>Stegreif</b> ist eine veraltete Bezeichnung für den <a href="Steigb%C3%BCgel_(Reiten)" title="Steigbügel (Reiten)">Steigbügel</a> eines <a href="Reiten" title="Reiten">Reiters</a>. Gebräuchlich ist das Wort nur noch in der <a href="Redewendung" title="Redewendung">Redewendung</a> „aus dem Stegreif“ und in <a href="Komposition_(Grammatik)" title="Komposition (Grammatik)">Komposita</a> wie Stegreifaufgabe, Stegreifentwurf, Stegreifkomödie, Stegreifrede, Stegreifspiel, <a href="Stegreiftheater" title="Stegreiftheater">Stegreiftheater</a> und Stegreifübersetzung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sprachliche_Aspekte">Sprachliche Aspekte</h2></div>
<p>Das Wort „Stegreif“ zerfällt in die Bestandteile (<a href="Morphem" title="Morphem">Morpheme</a>) „Steg“ und „Reif“. Die ursprüngliche Bedeutung des ersten Elements (<a href="Althochdeutsche_Sprache" title="Althochdeutsche Sprache">althochdeutsch</a> <span lang="goh"><i>stīgan</i></span> = steigen) zeigt sich noch in dem verwandten Wort „Steg“ = schmaler, erhöhter Übergang. Hinter dem zweiten Element (<a href="Althochdeutsche_Sprache" title="Althochdeutsche Sprache">ahd.</a> <span lang="goh"><i>reif</i></span> = Seil, Strick) verbirgt sich ein alter Ausdruck, der noch im Niederdeutschen als „Reep“ oder „Reip“ vorkommt und unter anderem „Seil“ bedeutet<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und noch in Straßennamen wie „<a href="Reeperbahn#Geschichte" title="Reeperbahn">Reeperbahn</a>“ oder in hochdeutscher Form als „Reiferbahn“ = Herstellungsstätte für Seile, „Reepschnur“ = dünnes Seil, „Fallreep“ = Strickleiter und <a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a> „rope“ = Seil lebendig ist.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein „Stegreif“ ist ursprünglich also eine Seilschlinge, die man zum Aufsteigen benutzte. „Aus dem Stegreif“ bedeutet wörtlich: ohne vom Pferd zu steigen, im übertragenen Sinn: ohne lang nachzudenken, unvorbereitet, <a href="Extempore" title="Extempore">extemporiert</a>, <a href="Improvisation" title="Improvisation">improvisiert</a>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> „Stegreif“ hieß außerdem ein Bauteil der mittelalterlichen <a href="Armbrust" title="Armbrust">Armbrust</a>, das den Ladevorgang vereinfachte: ein steigbügelähnlicher Metallbügel am vorderen Ende der Waffe, in den der Schütze einen Fuß setzte und so die Hände frei hatte, um die Sehne zu spannen.
</p><p>Da die <a href="Etymologie" title="Etymologie">Herkunft</a> des Wortes weithin unbekannt ist, wird „Stegreif“ – passend zu den ähnlichen Redewendungen „aus dem Stand“ und „aus der Luft gegriffen“ – oft falsch „Stehgreif“ geschrieben und gesprochen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Stegreifaufgaben_und_-entwürfe"><span id="Stegreifaufgaben_und_-entw.C3.BCrfe"></span>Stegreifaufgaben und -entwürfe</h2></div>
<p>Zur Geschichte: Die Stegreifaufgabe soll in ihrer noch heute praktizierten Form <a href="Johann_Matthias_Gesner" title="Johann Matthias Gesner">Johann Matthias Gesner</a>, der Rektor der <a href="Thomasschule_zu_Leipzig" title="Thomasschule zu Leipzig">Thomasschule zu Leipzig</a>, in den 1730er Jahren unter dem lateinischen Namen <i>scriptum extemporale</i> = Niederschrift aus dem Stegreif, eingeführt haben. Er ließ seine Schüler ein deutsches Diktat unmittelbar, ohne Vorankündigung und Vorbereitung, also <i>extemporale</i> = aus dem Stegreif, ins Lateinische übersetzen. Es handelte sich damals aber mehr um eine Übung, da Gesner auf eine Zensierung verzichtete und die Arbeiten nur zur Verbesserung des Ausdrucks zusammen mit den Schülern korrigierte und verbesserte. Später wurden dann die Extemporalien, abgekürzt <i>Ex</i>, zu einem Synonym für Klassenarbeiten und da unangekündigt, zu von Schülern gefürchteten Leistungsmessungen eingesetzt und benotet (siehe Dokument rechts).<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zur heutigen Situation: An <a href="Bayern" title="Bayern">bayerischen</a> weiterführenden <a href="Schule" title="Schule">Schulen</a> heißen unangesagte schriftliche Arbeiten „Stegreifaufgaben“. Laut der <i>Schulordnung für die Gymnasien in Bayern</i> vom 23. Januar 2007 gehören Stegreifaufgaben zu den kleinen schriftlichen Leistungsnachweisen. Sie werden nicht angekündigt und beziehen sich auf höchstens zwei unmittelbar vorangegangene Unterrichtsstunden; sie sollen auch auf grundlegende Ergebnisse und Inhalte des bisherigen Kompetenzaufbaus Bezug nehmen. Die Bearbeitungszeit soll zwanzig Minuten nicht übersteigen.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bedeutungsgleich ist das Wort „Extemporale“ (kurz „Ex“).<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Außerhalb Bayerns sind andere Bezeichnungen gebräuchlich. In <a href="Rheinland-Pfalz" title="Rheinland-Pfalz">Rheinland-Pfalz</a> etwa trägt eine schriftliche Arbeit, die nicht angekündigt werden muss, die sich auf zwei unmittelbar vorangegangene Unterrichtsstunden bezieht und die bis zu fünfzehn, in der Oberstufe bis zu dreißig Minuten dauern darf, den Namen „Hausaufgabenüberprüfung“ (kurz „HÜ“) oder „Kurzüberprüfung“ (kurz „KÜ“).<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Klassenarbeit" class="mw-redirect" title="Klassenarbeit">Klassenarbeit</a> und <a href="Schriftlicher_Leistungsnachweis_in_der_Schule" title="Schriftlicher Leistungsnachweis in der Schule">Schriftlicher Leistungsnachweis in der Schule</a></div>
<p>Im <a href="Architekturstudium" title="Architekturstudium">Architekturstudium</a> heißen kürzere Entwurfsaufgaben häufig „Stegreifentwürfe“.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Stegreif" class="extiw external" title="wikt:Stegreif">Wiktionary: Stegreif</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://faql.de/etymologie.html#stegreif">Etymologie</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Fehrs-Gilde Verein zur Förderung des Niederdeutschen (Hrsg.): <i>der neue SASS [sic]. Plattdeutsches Wörterbuch.</i> Plattdeutsch-Hochdeutsch. Hochdeutsch-Plattdeutsch. Plattdeutsche Rechtschreibung, 3. Aufl. Neumünster 2004, S. 155, Lemma Reep und Teuchert, Hermann; Wossidlo, Richard: <i>Mecklenburgisches Wörterbuch.</i> 5. Band. N bis schawwig. Unter Mitarbeit von Jürgen Gundlach, Walter Ihrke und Eva-Sophie Dahl, Berlin, Neumünster 1970 (Unveränderter, verkleinerter Nachdruck Neumünster 1996), Sp. 848f., Lemma "Reip".</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Wortherkunft gemäß Duden Bd. 7, <i>Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache,</i> Mannheim 1997; <i>KLUGE. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache</i>. Bearbeitet von Elmar Seebold, 25., durchgesehene und erweiterte Auflage, Berlin, Boston 2011, S. 755, Lemma „Reif<sup>1</sup>“; „<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.dwds.de/wb/Steg">Steg</a>“, „<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.dwds.de/wb/Reif">Reif</a>“ und „<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.dwds.de/wb/Stegreif">Stegreif</a>“ auf www.dwds.de, Stand 18. Juni 2020.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Friedrich Kluge in seinem <i>Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache,</i> Berlin 1975, S. 743, umschreibt die Bedeutung ganz ähnlich: „wie ein Reiter, der etwas erledigt, ohne abzusitzen“.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Siehe und vergleiche: <a href="Otto_Kaemmel" title="Otto Kaemmel">Otto Kaemmel</a>: <i>Geschichte des Leipziger Schulwesens.</i> Springer, Wiesbaden 1909, S. 331; Andreas Schmidt: <i>Der Extemporale-Erlass 1911.</i> In: Markus Tauschek (Herausgeber): <i>Kulturen des Wettbewerbs.</i> Band 10 der Kieler Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte, herausgegeben von der Universität Kiel, Münster 2013, Waxmann, S. 289.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Vergleiche <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayGSO-23">Schulordnung</a> für die Gymnasien in Bayern (Gymnasialschulordnung – GSO) vom 23. Januar 2007 (GVBl S. 68, BayRS 2235-1-1-1-UK), zuletzt geändert durch Verordnung vom 8. Juli 2011 (GVBl. S. 586), § 55, Stand 18. Juni 2020.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Vergleiche <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.lev-gym-bayern.de/index.php?Seite=192">Website</a> der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V., Stand 31. Oktober 2011.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Vergleiche <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.bertha-von-suttner-gymnasium.de/mitte/Schulbestimmungen/notengebung/notengebung.html">Website</a> des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums Andernach, Stand 31. Oktober 2011.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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